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Freitag, 9. September 2016

Zum Ausklang des Sommers... DNA Groove "Rocco"- die etwas andere italienische Leinenhose!


Vor einigen Jahren durfte ich im Rahmen meiner "Tour de Mod" den großartigen Designer
 Claudio de Rossi interviewen...

Claudio ist bekannt dafür, immer eine etwas eigene Linie zu fahren - eine Linie, die zwar eindeutig italienisch ist und auch deutlich ihre 'Mod'-Wurzeln zeigt, aber am Ende doch eine ganz spezielle Note hat.

Ein sehr gutes Beispiel dafür ist sein Hosenmodell "Rocco": hoher Bund, hohe Fußweite, keine Gürtelschlaufen - entworfen schon vor fast fünf Jahren, als eher sehr schmale Hosen mit niedrigem Bund 'en vogue' waren. Eine Hose, die an frühere Zeiten - an die Ära der späten 30er-Jahre bis etwa Mitte der 50er-Jahre - erinnert. Als ich diese Hose in einem hellen Leinen und dann noch mit rückwärtig angebrachtem Riegel (auch "Back Buckle" genannt) enteckt habe, musste ich zuschlagen!

Nach einigen Tagen - kurz bevor wir in den heurigen Sommerurlaub abgereist sind  - ist die Hose dann angekommen:








 Vorige Woche dann war sie fertig - die offene Länge musste noch angepasst werden. So war es dann an der Zeit, das luftige Leinen an den letzten Sommertagen des Jahres 2016 noch auszuführen:


Der in diesem Block bereits schon einmal thematisierte
'Back Buckle'.

Man kann nicht immer
fröhlich dreinschauen.

Das Hemd ist ein gebraucht
erstandener 'Popover' von
Lean Garments.

Die Silhouette ist ungewöhnlich,
hat aber was...



 Gerade an sehr warmen Tagen ist eine weite Leinenhose wie diese eine Wohltat. Ich habe auch schon eine Menge an weiteren Ideen, wie ich sie nächsten Sommer denn kombinieren kann... Ich denke da an Gilets, Panamahüte, eventuell auch Sandalen... Wir werden sehen!

P.S.: in naher Zukunft wird es das Modell 'Rocco' von DNA Groove auch als Chino geben!





Mittwoch, 31. August 2016

"Sprezzatura" - ein Reizwort aus der "#Menswear"-Welt!


Über Modetrends wie den zur meiner Meinung nach eher fragwürdigen 'Sprezzatura' wollte ich eigentlich nie schreiben...

Inspiriert durch meinen letzten Italien-Aufenthalt in Lucca hatte ich dann doch eine Idee, wie ich darüber bloggen könnte - denn die 'Sprezz' liegt dem alteingesessenen Italiener einfach im Blut - wenn auch anders, als in vielen "#Menswear"-Blogs dargestellt.

Doch, was bedeutet 'Sprezzatura' eigentlich?

Sprezzatura ist laut Baldassare Castiglione die Kunst „eine gewisse Art von Lässigkeit anzuwenden, die die Kunst verbirgt und bezeigt, dass das was man tut oder sagt, anscheinend mühelos und fast ohne Nachdenken zustande gekommen ist“... auf deutsch nichts anderes als Routine, die selbst anstrengende Tätigkeiten geradezu 'nebenbei', 'im Vorübergehen gemacht' erscheinen lässt. Man könnte auch 'Nonchalance' dazu sagen.

Es ist gemeinhin anerkannt stilvoller, sich in stilvoller Kleidung sehr natürlich und unverkrampft zu bewegen, als eher steif und gewollt daherzukommen. Nichts wirkt verkrampfter und gewollter, als zum Beispiel jemand, der eine Krawatte trägt, aber sich damit unwohl fühlt. Wenn man aber damit auftritt, als wäre es das Normalste der Welt, dann wirkt es ungemein sicher und daher auch umso stilvoller.

So weit, so gut.

Ein bekanntes Beispiel für jemanden, der quasi nebenbei (wenn es um Kleidung geht) Stilbrüche begangen hat und damit zum Inbegriff für die Sprezzatura geworden ist, war Gianni Agnelli. Er trug OCBD-Hemden mit Krawatte und vergaß oft, die Knöpfe zuzumachen, oder aber er trug seine Uhr über der Hemdmanschette. Er tat das wohl aus praxisgerechten Gründen - und er strahlte damit diese "Nachlässigkeit" aus, diese Ungezwungenheit, die eben die Sprezzatura ausmacht:


Quelle: thegentlemansjournal.com

Jetzt sieht man in diversen Stilblogs oft ungeknöpfte Button Down-Hemden, oder aber auch Krawatten, bei denen das hintere, lange Ende zu sehen ist - etwas, das in meiner Generation als völlig daneben betrachtet wurde und wird... und das meiner Meinung nach nicht zu Unrecht. Dennoch denkt manch einer, damit diese unverkrampfte Nonchalance auszustrahlen - mit dem oft gegenteiligen Effekt!


Die jungen Männer hier sind an sich
überdurchschnittlich gut gekleidet, wenn man auch
zumindest auf dem rechten Bild über die eindeutig
zu enge Passform streiten kann.

Allerdings - "Richtige"
Sprezzatura ist etwas anderes...
Quelle: www.unrefinery.com


Das Ziel, etwas nicht "gewollt" aussehen zu lassen, wird verfehlt.

Nun bin ich dort, wo ich hinwollte: der durchschnittliche, gut gekleidete Italiener denkt oft nicht drüber nach, was er warum anzieht und dass er dabei betont nachlässig aussieht. Er zieht sich gebügelte Hosen und Hemden an, er kämmt sich seine Haare, und: setzt einen uralten, bereits ein wenig "zerfledderten" Panama-Hut auf. Seine Schuhe sind auch deutlich getragen, aber gepflegt. Ich habe nicht einen solchen Lucchesen gesehen, sondern viele.

Auch Modetrends werden da durchaus mitgemacht, die bei uns oft albern wirken - aber auch darüber wird eigentlich nicht so intensiv nachgedacht. So habe ich in Lucca haufenweise Retro-Digitaluhren ausmachen können, und das durchaus auch in Gold (!) an Handgelenken von konservativ gekleideten Männern... Genauso wie bequeme Sneakers zu Stulpenhosen und Sakko - weil es halt bequemer ist!

Ein noch besseres Beispiel ist meiner Meinung nach der typische, etwas ältere Luccheser, der sich quasi permanent am Fahrrad fortbewegt: Er ist gut gekleidet, alles ist sauber und gebügelt, aber sein Fahrrad...

Sein Fahrrad ist alt. Uralt. Am besten noch verrostet auch. Hauptsache es fährt!


Neuer Sattel? Wozu? Ein mit Tape umwickelter tut's auch!




Es ist die völlig normale Selbstverständlichkeit, mit der hier - abseits aller Modetrends - uralte Fahrräder benutzt werden, denn uralte Fahrräder fahren ebenfalls. Und sie haben einen Vorteil: sie werden nicht gestohlen! Niemand denkt hier darüber nach, ob das alte Fahrrad zur Kleidung passt oder nicht. Es fährt, und das ist wichtig.





Ich denke, Stil hat nichts damit zu tun, ob man 'Sprezzatura' hat beziehungsweise lebt... Stil kommt von innen. Stil ist Selbstvertrauen. Und routinierte Leichtigkeit.

Die Italiener in der Toskana haben einen sehr lockeren, selbstverständlichen Stil. Und das gefällt mir!






Dienstag, 30. August 2016

Lucca (Toskana, Italien) 2016: Eindrücke, Kulinarik und... Männergarderobe!


Wir waren - wir tun das immer wieder - diesen Sommer in Italien. Genauer gesagt, in Lucca. Wie schon vor vier Jahren, als wir das erste Mal dort waren... eine tolle Stadt!

Lucca ist eine der wenigen Städte in Europa, die noch eine vollständig erhaltene Stadtmauer rund um die Altstadt besitzt:


Was für eine Stadtmauer! Hier oben drauf, am Boulevard.
Perfekt für Morgensport...

Auch im Inneren der Stadtmauer ist es beeindruckend
- kein Wunder, dass Lucca nie eingenommen wurde.

Mir persönlich gefällt vor allem das spätmittelalterliche, mediterrane Flair:

Blick durch Luccas Straßen auf den
Torre Guinigi.

Der Luccheser Dom.

 Die Palazzi der Luccheser Kaufleute und des toskanischen Adels könne sich auch sehen lassen - hier ein Blick in den Garten des Palazzo Pfanner:




Sehr nett fand ich auch den Botanischen Garten, am Rande der Altstadt, gleich hinter der Mauer:




Doch auch für kulinarische Genüsse ist die Toskana hinlänglich bekannt... Vor allem Fleischspeisen sind ein wahrer Genuss! Ich persönlich habe mich allerdings nicht über die berühmte 'Bistecca alla Fiorentina' darübergetraut, denn dieses Beefsteak vom Chianina-Rind ist doch ziemlich blutig - ich mag mein Fleisch lieber durchgebraten oder zartrosa wie Roastbeef.


Porcheta allo spiedo...

Auch der Hauswein in der
traditionellen Trattoria - ein Chianti -
ist meistens großartig!
 
Es gibt aber nicht nur Fleisch...

In der Altstadt von Lucca befindet sich eine riesige, fast die gesamte Altstadt umfassende Fußgängerzone. Daher sind nicht nur Unmengen an Touristen auf Leihrädern unterwegs, sondern auch nahezu alle eingeborenen und zugewanderten Lucchesen. Besonders ältere Männer bewegen sich fast ausschließlich mit dem Fahrrad fort:



Der typische Lucchese macht auch öfters eine Plauderpause...

Daher ist die Anzahl an Fahrradgeschäften mit durchaus sehr gelungenen, schicken Fahrrädern recht groß - obwohl die meisten Lucchesen nicht allzu viel Wert auf besonders ausgefallene oder gar neue, moderne Fahrräder legen, italienischer Stil ist am Ende doch immer erkennbar:




Doch jetzt genug von den Eindrücken der Stadt - hier geht es auch um Männergarderobe!

Gleich zu Beginn des Urlaubs entdeckte meine Frau ein an sich eher unscheinbares, kleines Outlet,  dem gegnüber sich auch ein "Standl" mit Lederwaren befand. Was soll ich noch weiter sagen?




Das Outlet war voll mit Kleidung - Herren, Damen, Kinder... Baracuta, Woolrich, Boglioli... Da ich eine doch sehr umfangreiche Garderobe besitze, hab ich versucht, mich zurückzuhalten.

Am Ende war es dann eine Seersucker-Hose, begleitet von einem Anzug-Gilet und einem ärmellosen Cardigan. Beim Standl daneben zwei Ledergürtel...

Generell, Lederwaren sind in der Toskana nur zu empfehlen - der Preis ist etwa halb so hoch wie in Wien, und die Qualität des Leders immer gut!

Bei der 'Camiceria Cerri' aus Lucca musste ich in deren Abverkaufs-Outlet auch noch drei Hemden nehmen... und beim 'Tutto Sport'-Outlet ein Paar Converse Chuck Taylor All Star im "alten" Stil (vor etwa zwei Jahren wurden die "All Star"-Aufschriften geändert, daher sehen diese Sneakers nicht mehr so aus wie früher - ein Detail, das mich persönlich stört)...

Die Gürtel bekam ich für € 35,--,
die Hemden für insgesamt € 77,--...
Gilet und Weste um € 44,--.

Die Seersuckerhose war für € 30,-- zu haben
(statt für  € 139,--).


So hat das jahrzehntelang ausgesehen.
Bei mir jetzt noch immer!

 In Viareggio Beach - dem nächstgelegenen Badeort - entdeckte ich 'Gutteridge & Co', eine preislich moderate italienische Kette, die speziell für jüngere junge Männer sehr interessante Männergarderobe bietet:









In Viareggio war ich nicht im Geschäft, aber später dann in Florenz!





Dort musste ich dann doch noch zuschlagen - mit einer Flatcap (ganz 'Ivy League', mit "back buckle") und einem Webgürtel, beides zusammen um gerade mal € 40,--:





 



Florenz war diesmal nur ein Tagesausflug - wenn ich dort einmal länger sein sollte, gibt es natürlich auch detaillierte Berichte von dort!


Wo bin ich?


Alles in allem war dieser Urlaub einer der schönsten seit vielen Jahren - denn Lucca ist eine wunderbare, äußerst lebenswerte Stadt, die für mediterrane Verhältnisse auch sehr sauber und gepflegt ist... Es gibt eine Menge Kultur, aber auch einen Badeort in der Nähe und neben Kulinarik auch:

eine ganze Menge Stil!


NACHTRAG:





September 2016